Max Bannaski Biobauernhof
© Carmen Janzen

Familie Bannaski aus Bernbeuren

veröffentlicht zum Thema

Familie Bannaski betreibt einen kleinen Bio-Bauernhof in der Nähe von Bernbeuren am Auerberg. Seit 2007 setzen die Bannaskis auf ökologische Landwirtschaft. Die Natur ist für sie ein perfektes System. „Deswegen behandeln wir sie mit großem Respekt“, so das Motto der Familie, die sich intensiv mit alternativen Bewirtschaftungskonzepten beschäftigt. Dem allgemeinen Trend zu höher, schneller, weiter wollen sich die Bannaskis in ihrer Art zu wirtschaften nicht hingeben. Das gilt nicht nur für die Tiere, sondern auch für die Grünlandbewirtschaftung der Weiden und Felder. Danke, dass ihr euch die Zeit für ein Interview mit ÄRNTE.design genommen habt!

Kontakt: Tina & Max Bannaski · 08860 – 2649666 · www.kuss-kuh.de

Bitte stellt kurz euren Betrieb vor!

Unser Hof liegt am Rande des Landkreises Weilheim-Schongau, an der Grenze zum Ostallgäu. Wir, das sind Max und Tina Bannaski zusammen mit den Kindern Paul und Evi, bewirtschaften ca. 30 Ha Grünland und ca. 14 Ha Streuwiesen. Damit versorgen wir unsere etwa 30 Rinder. Seit 2006 wird der Hof, der im Nebenerwerb betrieben wird, nach den Richtlinien des Biolandverbandes ökologisch bewirtschaftet.

Seit wann vermarktet ihr direkt?

Wir vermarkten seit 2018 direkt ab Hof.

Wie und warum habt ihr angefangen mit der Direktvermarktung?

Bevor wir auf reine Direktvermarktung umgestellt haben, gingen unsere Tiere an die Firma Feneberg. Das Fleisch wurde im „Von Hier“-Programm in den Feneberg-Märkten angeboten. Da auch in dieser Form der regionalen und ökologischen Vermarktung der Tiertransport sowie das zugehörige Verladen in einen Viehtransporter nötig war und wir unseren Tieren und auch unserem Gewissen dies ersparen wollten, haben wir schrittweise auf Schlachtung per Weideschuss und Direktvermarktung umgestellt.

Vermarktet ihr ausschließlich direkt oder gehen einige Erzeugnisse auch an Großabnehmer?

Den größten Teil vermarkten wir direkt. Allerdings konnten wir in der Region die Zusammenarbeit mit einer Gastwirtschaft sowie einem weiteren Biolandhof aufbauen. Letzterer nimmt uns teilweise Innereien, Mägen und sonstige „Abfallprodukte“ ab und verarbeitet diese zu Hundeleckerlies und Hundewurst in Bioqualität.

Wie vermarktet ihr?

Im Moment gibt es nach jeder Schlachtung einen Abholtag, an welchem bestellte Fleisch- und Wurstwaren direkt aus einem Kühlanhänger und einem zusätzlichen Kühlschrank an die Kunden ausgegeben werden.

Erzählt uns von eurem Produktsortiment!

Unser Produktsortiment umfasst 5- und 10-Kg Fleisch-Mischpakete vom Bio-Jungbullen und verschiedene Sorten Wurst (u.a. Hartwurst, Leberkäse im Glas, Lyoner, Wiener etc.). Sonderwünsche versuchen wir ebenfalls gerne zu berücksichtigen. Fremdprodukte bieten wir nicht an.

Was ist das Besondere an euren Produkten bzw. an eurem Betrieb?

Bei unserem Fleisch handelt es sich um Biofleisch aus stressfreier Schlachtung. Unsere Tiere bekommen ausschließlich Dürrfutter (Heu und Grummet) sowie das artenreiche Futter, welches sie auf unseren Grünflächen finden. Wir versuchen in unserem Betrieb die natürlichen Kreisläufe zu erhalten und zu fördern. Unser Grünland wird ausschließlich mit leichten Maschinen, insektenschonender Mähtechnik sowie bodenschonender Weiterverarbeitung der Mahd bearbeitet. Die Tiere haben ganzjährigen Zugang zu Weidefläche und Stall. In unserem Laufstall setzen wir auf Tretmist, welchen wir kompostieren und zweimal pro Jahr als natürlichen Dünger auf unsere Grünflächen ausbringen. Außerdem tragen unsere Tiere Hörner, werden wenn möglich homöopathisch behandelt und nicht kastriert.

Weiterhin zählt zu unserem Konzept die Zusammenarbeit mit Milchviehbetrieben (im Speziellen der Kollmannshof der Familie Hiltensberger in Bernbeuren), deren Stierkälber wir aufnehmen und die bei uns bis zur Schlachtreife wachsen dürfen. Durch die Abkehr von der Mutterkuhhaltung wollen wir so dem dramatischen Kälberüberschuss aus der Milchviehwirtschaft entgegenwirken, ein Exempel statuieren und zumindest ein paar Kälber vor der Tortur des Exports bewahren.

Welche Anfangsschwierigkeiten gab es bei euch in der Direktvermarktung?

Die größte Herausforderung am Anfang war es, uns, unsere Produkte und unsere Geschichte ins Gespräch bzw. ins Bewusstsein potentieller Kunden zu bringen. Das braucht Zeit, Geduld und ein gesundes Wachstum.

Habt ihr Probleme mit saisonalen Schwankungen im Angebot bzw. der Nachfrage eurer Produkte?

Das Wort „Probleme“ ist in unserem Fall zu drastisch formuliert. Wir spüren, dass es während der Sommerferien ruhiger war und die Nachfrage in der Regel Richtung Herbst und Winter wieder etwas zunimmt.

Arbeitet ihr mit anderen Betrieben zusammen? Wenn ja, inwiefern?

Ja, wir arbeiten mit zwei weiteren Bioland-Betrieben in und um Bernbeuren zusammen. Auch, wenn die Vermarktung über den Bannaski-Hof läuft, verbirgt sich hinter Kuss-Kuh ein Dreigespann aus eben drei kleinen Bauernhöfen, die eng zusammenarbeiten. Zum einen ist da der Kollmannshof der Familie Hiltensberger. Ein kleiner Milchviehbetrieb, der an uns und an den Dritten im Bunde, den Streif-Hof in Eschach, seine Kälber verkauft. Wir nehmen die männlichen ab und der Streif-Hof die weiblichen. Die Tiere bleiben auf dem jeweiligen Aufzuchtbetrieb bis zur Schlachtreife und werden dann über das Kuss-Kuh-Projekt direkt an die Verbraucher vermarktet.

Ihr setzt euch für den Weideschuss und die stressfreie Schlachtung von Rindern ein. Was genau bedeutet das? Ist das ein ausschlaggebendes Kaufargument für eure Kunden?

Weideschuss und stressfreie Schlachtung bedeutet, dass die schlachtreifen Tiere nicht verladen und in einen Schlachthof gebracht werden müssen. Sie verbleiben bis zu ihrem letzten Atemzug im Herdenverband und werden auf der Weide mittels eines Kleinkalibers betäubt. Der Schuss aus ca. 20 Metern Entfernung, der das Stammhirn zerstört, bewirkt, dass das Tier sofort hirntot ist.  Er wird von Max Bannaski von einer Kanzel aus, die sich auf der selbst konstruierten und gebauten mobilen Schlachtbox befindet, abgegeben. Anschließend wir das Tier mit Hilfe einer Seilwinde in die Schlachtbox gezogen. Im Inneren der Schlachtbox erfolgt der Brustschnitt, so dass das Tier während der Fahrt zum Schlachthof weitestgehend entblutet.

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Video vom Weideschuss: © Christian Leitner

Mit Hilfe eines Schleppers wird das Tier in der Schlachtbox binnen weniger als einer Stunde ins Schlachthaus zu unserem Metzger gebracht, der von da an die weiteren Arbeiten übernimmt. Bei allen Schlachtungen, die wir bisher auf diese Art und Weise durchgeführt haben, konnten wir beobachten, dass sowohl das zu schießende Tier als auch der Rest der Herde völlig entspannt und ruhig waren. Da mit einem Schalldämpfer geschossen wird und zudem der Schuss schneller als der Schall ist, hört das zu tötende Tier nicht einmal seinen „Todesschuss“. Und ja, der Weideschuss und die stressfreie Schlachtung sind für viele unserer Kunden ein wesentliches Kaufargument.

Wie sieht euer Alltag als Direktvermarkter aus?

Da wir keinen festen Schlachtrhythmus haben, sondern schlachten, wenn genügend Bestellungen vorliegen, gibt es in dem Sinn keinen Alltag. Was täglich erledigt sein will, ist E-Mails abrufen, um Bestellungen entgegenzunehmen oder Fragen zu beantworten. Alle anderen „Arbeiten“ fallen in der Regel einmal pro Monat an.

Was wünscht ihr euch fürs nächste Jahr?

Fürs nächste Jahr wünschen wir uns, dass es so toll weitergeht, wie im Jahr 2020: vor allem freuen wir uns über viele nette und begeisterte Kunden und die tolle Zusammenarbeit im Kuss-Kuh-Team.

Habt ihr einen Rat für Kollegen und Kolleginnen, die in die Direktvermarktung einsteigen wollen?

(Lachen) Für wirkliche Ratschläge sind wir wahrscheinlich zu kurz im Direktvermarkter-Geschäft. Vielleicht das eine:

Die Anfangs- bzw. Anlaufphase braucht Zeit. Druck und Ungeduld sind hier sehr hinderlich.

Was bedeutet Direktvermarktung für euch?

Direktvermarktung bedeutet für uns in erster Linie, wieder ein gutes Gefühl uns und unseren Tieren gegenüber zu haben. Wir müssen keine lebenden Tiere mehr verladen und ersparen so den Tieren und uns ganz viel Stress, Druck und schlechtes Gewissen. Und natürlich bedeutet Direktvermarktung für uns auch den unmittelbaren und engen Kontakt zu den Verbrauchern. Diesen kann man zum einen wunderbar für Aufklärungsarbeit nutzen und zum anderen befruchtet dieser oftmals durch direkte und hilfreiche Rückmeldung die eigene Arbeit.

Seid ihr zufrieden mit eurer Direktvermarktung? Würdet ihr es wieder machen?

Wir sind absolut zufrieden mit unserer Direktvermarktung und würden die Umstellung auf alle Fälle wieder wagen.

Stefanie Haser
Stefanie Haser
Stefanie ist der kreative Kopf der Agentur. Wenn sie nicht am Computer sitzt und Websites erstellt, verbringt sie ihre Zeit gern im Gemüsegarten. Ihr Organisationstalent hält den Betrieb zusammen, geht nicht, gibt’s nicht. Sie liebt Erdbeeren und die Sonne.

Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird hier und im folgenden Text zwar nur die männliche Form genannt, stets aber die weibliche und andere Formen gleichermaßen mitgemeint.

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