Schafweide Haserhof

Landwirtschaft und Tourismus

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Ein kompliziertes Spannungsfeld ist das zwischen der Landwirtschaft und dem Tourismus. Wir selbst haben unseren Hof im Alpenvorland in Oberbayern zwischen der Zugspitze und dem Schloss Neuschwanstein. Eine der Haupt-Touristenregionen in Deutschland. Neben den klassischen Urlaubern haben wir eine enorme Zahl von Tagestouristen aus den großen umliegenden Städten wie München, Kempten oder Augsburg, die an den Wochenenden raus aufs Land fahren. 

Unsere Flächen sind nicht alle direkt am Hof. So muss ich, um zu unseren Schafen zu kommen, entlang von Wanderparkplätzen und Wanderwegen fahren. Dadurch sind mir als Landwirt sehr viele Gedanken und Beobachtungen zum Thema Tourismus gekommen, die ich hier gern mit euch teilen möchte und am Ende werde ich meine Meinung zur Entschärfung des Konflikts ausführen.

Der hoheitliche Weltbesitz

Das Kernproblem in Touristenregionen ist, dass sich die Freizeit der Gäste genau zu der gleichen Zeit und im gleichen Gebiet abspielt, wie die reguläre Arbeit von uns Bauern. Das heißt, die eine Partei hat ihre Arbeit erledigt und lebt nun ihre wohlverdiente Freizeit in dem Gebiet aus, wo andere Parteien wie wir Landwirte unsere täglich notwendige Arbeit verrichten. 

Ich erlebe immer mehr, dass von Seiten der Urlauber ein gewisses Anrecht auf Ruhe und Frieden während ihrer freien Zeit als selbstverständlich empfunden wird.Traktoren, Kuhglocken, Gülle etc. werden oft als Störungen ihres gefühlten Weltbesitzes klassifiziert. Was dazu führt, dass die Gäste nicht zur Seite gehen, wenn der Schlepper kommt oder der Fahrer zuweilen sogar angeschimpft wird. Böse Blicke sind auch meistens Standard, wenn ich mit dem Auto zu meinen Schafen fahre. Andernteils werden die Touristen von uns Bauern oft grundsätzlich als nervend betrachtet und nach Kräften schauen wir sie die meiste Zeit ebenfalls böse an.

Wir befinden uns in einer Negativspirale, die das Leben beider Parteien unangenehm macht und nur durch uns Landwirte selbst und/oder von den Tourismusverbänden gelöst werden kann. Dazu später mehr.

Grenzüberschreitungen

Das was für den einen das Natur- und Erholungserlebnis ist, ist für uns andere der Arbeitsplatz, an dem wir Lebensmittel produzieren. Da ein Großteil der Bevölkerung räumlich und fachlich sehr weit von der Landwirtschaft entfernt lebt, kommt es an vielen Stellen durch Unwissenheit und Ignoranz immer wieder zu Grenzüberschreitungen.

Ein chronischer Streitfall ist z.B. das Thema der Hundebesitzer, die ihre Hunde auf  Wiesen und Feldern abkoten lassen. Das ist inzwischen zu einem berechtigtem Dauerstreit geworden, denn der Hundekot verunreinigt das Futter für unsere Tiere. Das darf nicht sein. Sicherlich verhalten sich einige Bauern auch in diesem Fall alles andere als diplomatisch, aber bei der Menge an Hunden, die unkontrolliert überall hinmachen, ist das auch mehr als verständlich.

Bei unseren Schafen haben wir ein anderes Problem: manche Hunde springen über den Zaun und jagen dann unsere Tiere, weil die Besitzer ihre Hunde nicht im Griff haben.

Ebenfalls ein Klassiker der Grenzüberschreitungen: „Das sind so schöne Blumen da mitten im Feld! Da muss ich mir gleich welche pflücken“. In machen Fällen gehen die Urlauber durch das hohe Gras und treten es nieder. Egal ob zum Blumen pflücken oder wegen dem Naturerlebnis: „Es ist so wundervoll, barfuß durch das hohe Gras zu laufen“. Das geht nicht! Dort findet die Produktion von Lebensmitteln statt und es hat kein Mensch, außer der Bauer selbst, in der Wiese rumzulaufen.

Am schlimmsten sind die „Tierspezialisten“, die denken, sie würden unseren Schafen, die an einem Wanderweg auf einem großen, fest eingezäunten Areal leben, etwas gutes tun, indem sie ihnen die Reste ihrer Brotzeiten reinwerfen. Unsere Tiere bekommen regelmäßig Durchfall, genau deswegen. 

Zu guter Letzt kommt es auch immer wieder vor, dass sich Leute erdreisten, über unsere Zäune zu steigen um die Schafe aus der Nähe anzuschauen oder zu streicheln. Diese und viele andere Situationen von laufenden Grenzüberschreitungen führen zu einem immer stärkeren Unmut innerhalb der Landwirtschaft gegen den Tourismus.

Fachpublikum

Die hauptsächliche Informationsquelle derjenigen Bevölkerung, die keinen persönlichen Kontakt  zur Landwirtschaft hat, beruht auf den Medien und dem Internet. Das meiste was der Einzelne über die Landwirtschaft weiß, sind die negativen Seiten der Produktion. 

Das sind Berichte über zu hohe Nitratwerte im Boden, über Tierquälerei, durch die Landwirtschaft verursachte CO2-Emissionen u.ä. Gegen derlei Berichte habe ich grundsätzlich nichts einzuwenden, wenn sie umfassend recherchiert wurden und es sich nicht um einseitige Darstellungen handelt, die dem Thema nicht einmal im Ansatz gerecht werden. Nahrungsmittelproduktion ist wesentlich komplizierter, als dass Gülle schlecht ist. Aber das Bild, was bei den Menschen im Kopf bleibt, nachdem die Medien uns Bauern als Umweltzerstörer, Klimakiller, Tierquäler und Grundwasserverpester darstellen, ist kein allzu gutes. 

Die meisten Gäste, die bei uns Urlaub machen, sind sehr voreingenommen gegenüber der Landwirtschaft. Was dazu führt, dass wir uns als Produzenten immer wieder von den selbsternannten Fachleuten darüber belehren lassen müssen, dass wir alles falsch machen. Wenn ein Bauer, der ordentlich Heu produziert, nachdem er die Nährstoffe in Form von Heu der Fläche entnimmt und danach wieder Nährstoffe in Form von Gülle oder Mist auf das Grundstück zurückführt, ist das gute fachliche Praxis.

Dies führt dazu, dass sich viele meiner Kollegen schon schlecht fühlen, wenn sie auch nur mit dem Güllefass vom Hof fahren. An dieser Stelle haben wir es wieder mit einer Negativspirale zu tun, die zu einer Verhärtung der Fronten führt und letztlich einen Dialog fast unmöglich macht.

Auf verlorenem Posten

Bei uns im Alpenvorland, wie in vielen anderen Urlaubsregionen, haben wir aufgrund der geografischen Bedingungen kaum Industrie, was dazu führt, dass unsere Region überwiegend vom Tourismus lebt. Es gibt viele verschiedene Interessengruppen, die den Reiseverkehr fördern und fordern. 

Selten bis gar nie, werden hierbei die Bauern mit an den Tisch geholt, obgleich sie maßgeblich für den Tourismus sind. Denn die Bauern erhalten eben diese Kulturlandschaft, weswegen die Menschen zu uns kommen um Urlaub zu machen. Gerade deswegen ist es notwendig, dass die Landwirtschaft eine Stimme in den Entschiedungsgremien bekommt und mit am Tisch sitzt.

Das würde im besten Fall direkt dazu führen, dass die Kommunen und Verbände, die Probleme zwischen Landwirtschaft und Tourismus sehen und darauf reagieren können. Es gibt zwar inzwischen von Seiten einiger Tourismusverbände halbherzige Versuche die Landwirtschaft als Thema mit aufzugreifen, allerdings geht es hier bislang eher darum „Vorzeigeprojekte“ zu vermarkten und weniger, um den Austausch zwischen den Fronten. Denn da gäbe es viel zu tun: Egal ob es um mehr Mülleimer an den Parkplätzen und Wanderwegen geht oder Aufklärungstafeln über das Verhalten auf landwirtschaftlichen Nutzflächen.

Landwirtschaf(f)t Mehrwert für den Tourismus

Die Landwirtschaft hat das Potential, nicht wie momentan praktiziert, ein vordergründiger Gegenspieler des Tourismus zu sein, sondern einen unschätzbaren Mehrwert für die gesamte Branche und die Region vor Ort zu schaffen: Die Landwirtschaft kann der Schlüssel für eine unverkennbare und unaustauschbare Region sein. Sie kann den Geschmack einer Region erzeugen und aufbereiten! Je intensiver das Erlebnis einer Region ist, umso höher wird die emotionale Bindung der Besucher sein. Umso höher diese emotionale Bindung ist, umso mehr Geld bleibt in der Region, umso öfter kommen die Gäste gerne wieder und im besten Fall haben sie die Möglichkeit, Produkte aus dem Urlaub online das ganze Jahr nachzukaufen. 

Umso vielfältiger das Angebot von landwirtschaftlichen Produkten innerhalb einer Region ist, desto spannender ist der Aufenthalt für Besucher. Durch Diversifizierung, Verarbeitung und Veredelung entsteht ein höherer Wohlstand für die gesamte Region. Gemeinden bzw. Tourismusverbände könnten diese erhöhte Wertschöpfung gezielt fördern!

Wenn die Bauern mehr Teilhabe an den Gewinnen hätten, würden die Alltagskonflikte zwischen den Landwirten und Urlaubern sicher bald beendet sein. Außerdem könnten neue Arbeitsplätze entstehen und somit mehr Steuereinnahmen generiert werden.

In der Gastronomie verhält es sich ähnlich. Jeder Wirt – innerhalb einer Urlaubsregion – muss irgendwelche Argumente finden, um Gäste in sein Lokal zu locken. Es gibt doch kein besseres Argument als mit regionalen Zutaten zu arbeiten und dementsprechend den Geschmack der Region zu vermarkten! Es ist auch nicht immer einfach zusammenzufinden, als Wirt und Bauer. Aber es ist nicht unmöglich. 

Auch Urlaub auf dem Bauernhof ist eine Möglichkeit, wie landwirtschaftliche Betriebe vom Tourismus profitieren können und andersrum. Obwohl die Kernaufgabe der Bauern immer die Produktion von Lebensmitteln sein sollte, ist der sogenannte Agrotourismus eine gute Möglichkeit, Urlaubern die Landwirtschaft erlebbar zu machen und über die Hintergründe und Notwendigkeiten aufzuklären.

Um am Tourismus teilzuhaben, muss auch nicht gleich jeder eine Ferienwohnung bauen. Es kann auch ein kleiner Zeltplatz für Individualreisende oder ein Stellplatz für 2-3 Wohnwägen sein. Das sind beides Optionen, bei denen die Investitionen niedrig und die Nachfrage immens ist. Besonders die Camperzulassungen haben jährliche Zuwachsraten im zweistelligen Bereich. Für dieses Zielpublikum gibt es bisher noch kaum Angebote von Bauernhöfen. 

Das Thema Landwirtschaft ist zudem spannend und interessant genug, um es durch Veranstaltungen aufzubauen. Einerlei, ob als Verkostung, Vortrag, Hofführung oder durch ein ordentliches Hoffest. Die Lebensmittelproduktion besitzt inzwischen wieder einen hohen Attraktionswert für viele Verbraucher!

Schützenhilfe

Um am Ende als Tourismusregion erfolgreich alle Spieler miteinander zu verzahnen, braucht es klare Zielvorgaben der Politik, der Verbände sowie aller aktiv Beteiligten und Leidtragenden. Meiner Ansicht nach ließe sich die oben beschrieben Kluft zwischen Tourismus und Landwirtschaft am ehesten kulinarisch lösen. Anders ausgedrückt: die Direktvermarktung könnte der Schlüssel sein. Doch welche Vorraussetzungen sind nötig, um Lebensmittel aus der Region in die Wertschöpfungskette zu integrieren?

Als erstes und notwendigstes Puzzleteil ist eine politische Schützenhilfe nötig. Es braucht Bürgermeister, Landräte und Gemeinderäte, die sich aufgrund getroffener Zielvorgaben innerhalb der Region sowohl für ihre Bauern als auch ihre Tourismus einsetzen.

Es ist schon viel gewonnen, wenn ein Bürgermeister oder Landrat hinter den eigenen Bauern und den Zielen steht.

Infrastruktur, Infrastruktur, Infrastruktur! Ohne Infrastruktur gibt es keine Wertschöpfung und keinen Wohlstand. Um eine eigene, regionale Wertschöpfungskette aufzubauen, braucht es einiges an Infrastruktur: Räume für die Zwischenlagerung, die Verarbeitung/Veredelung, Reifung, Kühlung, Verpackung und Vermarktung.

Das heißt, es gibt viele verschiedene Bedarfe, um hier die gesamte Lieferketten aufzubauen. Es braucht einen Dialog um an Ende diese Ziele zu erreichen. Beispielsweise könnten Metzgereien, Restaurants oder schon direktvermarktende Bauern Teile der Infrastruktur in Form von Wissen, Handwerk oder Räumlichkeiten für diejenigen bereitstellen, die noch am Anfang ihrer Direktvermarktung stehen.

Falls keine oder zu wenige Möglichkeiten zur Verfügung stehen, obliegt es an dieser Stelle der Kommune Räumlichkeiten zu schaffen oder zu prüfen, ob es im Gemeindebesitz Räumlichkeiten gibt, die einem Zweck im Sinne der Landwirtschaft und des Tourismus zugeführt werden können. Die Rahmenbedingungen hier sind Verhandlungssache. Die langfristigen Ziele und der Nutzen sollte den Gemeinden hierbei stets im Kopf sein, nämlich dass es sich um ein Gesamtprojekt handelt, dadurch kann die öffentliche Hand großzügiger gegenüber dem Projekt sein.

Falls auf den bisher beschrieben Wegen kein Vorwärtskommen ist, gibt es natürlich noch die Möglichkeit, Infrastruktur neu aufzubauen und dementsprechend viel Geld in die Hand zu nehmen. Das könnte die Politik anstoßen. Oder die Politik gibt einen Anfangsimpuls für ein zivilgesellschaftliches Engagement, wie beispielsweise den Dorfladen-Initiativen.

Es gibt darüber hinaus noch reichlich Möglichkeiten im Bereich der Öffentlichkeitsarbeit oder beim Veranstalten von Märkten und Events im Sinne des vereinbarten Ziels. Am Ende müssen die äußeren Rahmenbedingungen, die die Politik stellt, eine Plattform für die Erzeuger hiesiger Lebensmittel sein, damit diese zum Wohlstand der Region beitragen können. Hierzu braucht es von Region zu Region individuelle Lösungen.

Teilhabe am Tourismus

Die Gewinne des Tourismus gehen im überwiegenden Teil an der Landwirtschaft vorbei. Das sollte sich ändern, da die landwirtschaftliche Flächennutzung teil davon ist, warum Menschen in bestimmten Regionen Urlaub machen oder eben auch nicht. Es gibt hier meiner Auffassung nach zwei Möglichkeiten, der Landwirtschaft mehr Teilhabe an den Gewinnen zu ermöglichen. 

Direktvermarktung

Wir für unseren Teil, haben einen Hofverkauf mit unseren Produkten. Das führt dazu, dass wir auch von den Gästen regen Zulauf haben. Auf diesem Weg können wir zusätzliche Produkte absetzen und gleichzeitig den Nachfrageeinbruch von der hiesigen Bevölkerung während der Urlaubszeit auffangen, über die Urlauber die zu uns kommen.

Neben dem Direktverkauf an Endkunden gibt es auch noch die Gastronomie. In den Gebieten in denen der Urlaubsverkehr floriert, gibt es auch immer eine höhere Gastronomiedichte als anderswo. Das heißt, diese Branche hat ähnlich wie wir mit unserem Endkundengeschäft einen höheren Absatz durch ein höheres Besucheraufkommen. Wir liefern als Direktvermarkter auch an die Wirte. Das führt dazu, dass wir an einer zweiten Stelle Teilhabe an den Gewinnen des Tourismus in unserer Region generieren. 

Als drittes Momentum, an dem wir im Tourismus beteiligt sind, stehen die Dorfläden und kleinen Inhabergeführten Geschäfte bei uns im Landkreis. Dort bieten wir in vielen umliegenden Gemeinden unser Trockensortiment an und erreichen damit auch Urlauber, die nicht in unserem Dorf verweilen.

Lebensmittelverarbeitung

Wenn vor Ort eine Infrastruktur besteht, die Lebensmittel verarbeitet und vermarktet, bleibt die Wertschöpfung vor Ort. 

Natürlich hängt die Wertschöpfung davon ab, welche Rohstoffe produziert werden. Hier können je nach Fall Bäcker, Metzger, Käsereien, Mostereien etc. eine wichtige Rolle im sogenannten nachgelagerten Bereich der Landwirtschaft einnehmen. Je besser die Weiterverarbeiter in der Rolle als Infrastrukturbetreiber ihren Job machen, umso besser ist es für sie selbst, die Bauern und für ihre gesamte Umgebung.

Auch dem Einzelhandel wird hier eine wichtige Rolle in der regionalen Lebensmittelvermarktung zuteil. Wenn der lokale Handel, der ohnehin schon das Endkundengeschäft bedient, in seinem Produktsortiment auch auf landwirtschaftliche Zulieferer aus der Region setzt, entsteht dadurch eine Plattform für hiesige Waren. Für kleine Einzelhandelsläden wie Dorfläden eine tolle Chance um sich vom Großhandel wie EDEKA, Lidl & Co. abzuheben.

Auch die Gastronomie hat die Möglichkeit eine stützende Säule für die lokale Produktion zu sein. Allerdings braucht es hier motivierte und fähige Köche. Falls an dieser Stelle nur mit Fertiggerichten gearbeitet wird, wird es schwer eine Brücke zu schlagen zwischen Produzent und verarbeitendem Betrieb.

Fallbeispiel: Südsteiermark

Um nochmal konkret zu veranschaulichen, was in Sachen Teilhabe am Tourismus alles möglich ist, möchte ich von unserem Kurzurlaub in der Südsteiermark erzählen. Wir waren vor zwei Jahren für ein paar Tage in der malerischen Südsteiermark in Österreich, direkt an der Grenze zu Slovenien. Es ging uns um ein bisschen Urlaub und ein bisschen darum uns mit dem Thema Weinanbau auseinanderzusetzen.

Das, was wir dort erleben durften, war bisher das Beste, was ich jemals zum Thema Landwirtschaft und Tourismus gesehen habe. Es fand eine massive Wertschöpfung vor Ort statt, gerade wegen der Bauern. Das Kernversprechen der Südsteiermark ist wundervolle Kulturlandschaft (Bauernwerk), geniale Weine (Bauernwerk) und bestes Essen aus der Region (Bauernwerk). Diese Region zieht ihren gesamten Wohlstand ausschließlich aus der Landwirtschaft und dem damit verbundenen Tourismus.

Das Konzept dieser Region ist Genießen und Lernen. Durch das Genießen und das Lernen bleiben nachhaltige Eindrücke und tiefe Beziehungen zwischen den Urlaubern und der Region. Enorm viele Weinbauern betreiben einen eigenen Ausschank und bieten den Gästen die Möglichkeit, direkt beim Winzer Wein zu trinken und darüber etwas zu lernen. Generell ist die Aufbereitung der Themen Produktion und Verarbeitung sehr gut aufgegriffen und dargestellt. Wir waren beispielsweise in der Vinofaktur Genussregal. Der Löwenteil der Räumlichkeiten war aufgebaut wie ein Museum für alle Sinne. Im Anschluss gab es noch eine Weinprobe. Wir konnten also lernen und genießen gleichzeitig.

Diese Region weiß auch wie es sich das Onlinegeschäft zu Eigen zu machen. Nachdem wir möglichst viel vor Ort probiert hatten, konnten wir uns über den Onlinehandel auch nach dem Urlaub das ganze Jahr über mit den Produkten aus der Südsteiermark zu versorgen. 

Das, was die Südsteiermark innerhalb der Region umsetzt, ist unglaublich! Die Menschen vor Ort sprechen selbst von „dem Wunder“. Die Dichte an Direktvermarktern führt dazu, dass immer mehr Urlauber zu Besuch kommen. Das wiederum lässt alle Direktvermarkter ihren Absatz finden, wovon sie gut leben können. Und am Ende ist die Grundstimmung der lokalen Bevölkerung und der Bauern in der Südsteiermark von Gelassenheit und Glück geprägt.

Das was dort passiert, ist, dass die Produzenten aufgehört haben sich gegenseitig Konkurrenz zu machen und anfingen gemeinsam an ihren Zielen zu arbeiten. Dadurch haben jetzt alle gemeinsam Erfolg. Und durch den Onlinehandel, haben sich jene Bauern auch eine Sicherheit aufgebaut, die zum Absatz ihrer Produkte führt, auch wenn Urlauber beispielsweise wegen einer Pandemie fern bleiben.

Es ist schon so, dass Weinbaugebiete sich in der Regel wesentlich besser vermarkten, als alle anderen Zweige der Landwirtschaft. Aber davon können alle Nicht-Weinbaugebiete viel lernen. Egal ob über Direktvermarktung, Verbraucherbildung oder die Integration landwirtschaftlicher Produkte in den Tourismus. All das, was die Winzer umsetzen, kann jeder einzelne Direktvermarkter auch.

Fazit 

Jeder Euro, der nicht über den Warentransfer abwandert, sprich, über Käufe von nicht regionalen Gütern, bleibt in der Region. Dadurch kann Kapital vor Ort akkumuliert und wieder in Infrastruktur, Kindergärten oder Feuerwehren investiert werden. Wenn die Landwirtschaft touristisch aufgegriffen wird, wird es die eingangs geschilderten Konflikte zukünftig nicht geben. Zum einen werden die Gäste ganz anders zu dem Thema sensibilisiert und zum andern steigt natürlich die Toleranz von Seiten der Bauern über eventuelle Ärgernisse, wenn sie auch von den Urlaubern  profitieren.

Gerade in den Urlaubsregionen, sollten die Konflikte zwischen  Landwirtschaft und Tourismus nicht sein, da sich beide Parteien vielmehr nutzen als schaden können. Wenn eine Region ihre Bauern nicht mitnimmt, verschenkt sie Potential und am Ende viel Kapital.

Daniel Haser
Daniel Haser
Daniel ist begeisterter Jack London Leser. Er ist in einem Vieh- und Fleischhandel groß geworden. Seine Leidenschaft ist der Obstbau, weswegen er sich für den Beruf des Landwirts entschieden hat. Er kocht gern und hört Death Metal.

Um den Lesefluss nicht zu beeinträchtigen wird hier und im folgenden Text zwar nur die männliche Form genannt, stets aber die weibliche und andere Formen gleichermaßen mitgemeint.

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